Stundenbuch und Hinrichtungsurkunde der Maria Stuart
Maria Stuart, die katholische Königin von Schottland und Frankreich, war einst im Besitz eines außergewöhnlichen Stundenbuchs, das reich mit flämischen Miniaturen geschmückt ist. Diese zählen zu den herausragendsten Zeugnissen der flämischen Buchmalerei des frühen 16. Jahrhunderts. In leuchtenden Farben und vielfach vergoldet, präsentieren sich darin kostbare kleine Gemälde. Diesem Juwel der Buchkunst ist ein bedeutendes historisches Dokument beigelegt: die Hinrichtungsurkunde Maria Stuarts, unterzeichnet von Königin Elisabeth I. von England am 1. Februar 1587. Das Ensemble bietet einen tief bewegenden Einblick in das Schicksal einer der tragischsten Persönlichkeiten der europäischen Geschichte.
Ein Schicksalsdokument
Maria Stuart (1542–1587), Auftraggeberin des Werkes, war eine zentrale Figur der politischen und religiösen Auseinandersetzungen ihrer Zeit. Nach schweren Konflikten in Schottland floh die katholische Königin nach England, wo sie bald in den Fokus ihrer protestantischen Cousine, Elisabeth I., geriet. Aufgrund ihrer Ansprüche auf den englischen Thron und des Verdachts auf Beteiligung an einem Attentatsplan wurde sie wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Das Todesurteil, datiert auf den 1. Februar 1587, trägt die Unterschrift der englischen Königin und ist heute in der Lambeth Palace Library erhalten – ein beredtes Zeugnis der dramatischen englischen Geschichte.
Ein Buch der letzten Andacht
Das Stundenbuch begleitete Maria Stuart in ihren letzten Stunden. Es war ihr persönliches Gebetbuch, aus dem sie Trost schöpfte und das sie eng an sich drückte. Kein Gegenstand war ihr in den Momenten des Abschieds näher. Über ihren aus Ravenna stammenden Beichtvater gelangte das Buch nach Italien, wo es heute in der Biblioteca Classense di Ravenna aufbewahrt wird. Das Stundenbuch (Format: 10 x 7,1 cm) und die Hinrichtungsurkunde sind gemeinsam in einer edlen Holzkassette aufbewahrt. Der Einband des Buches ist aus tiefrotem Samt gefertigt, verziert mit einem zentralen Jadestein sowie Perlen entlang der Ränder – ein würdiger Rahmen für ein so bedeutendes Zeugnis.
Ein privates Zeugnis der Frömmigkeit
Auf 385 Seiten entfaltet sich eine beeindruckende Welt der Buchkunst. Das private Andachtsbuch enthält 41 ganzseitige Miniaturen und wurde vermutlich in Brügge oder Gent gefertigt. Ein talentierter, jedoch unbekannter flämischer Meister verzierte den Text mit aufwendigen Initialen und Miniaturen. Dem Stundenbuch ist ein kunstvolles Kalendarium vorangestellt, das über sieben Seiten die Monate samt Tierkreiszeichen präsentiert. Florale, farbenprächtige Bordüren mit lebendigen Genreszenen – wie Drescharbeiten vor städtischer Kulisse – rahmen den Text ein.
Die Miniaturen: Kunstwerke im Taschenformat
Die 19 Miniaturseiten sind kleine Meisterwerke: Die Szenen sind von üppigen Rahmen mit Darstellungen von Früchten, Blüten, Tieren und Insekten umgeben. In der Bildmitte erscheinen biblische Darstellungen wie die Verkündigung oder der Salvator Mundi, inszeniert mit raffinierter Perspektive, detailreichen Landschaften oder prächtigen Innenräumen. Die intensive Farbigkeit, akzentuiert durch großzügigen Goldeinsatz, macht jede Seite zu einem visuellen Erlebnis. Stilistisch verweisen die Miniaturen klar auf die flämische Schule – insbesondere Gent oder Brügge. Die Qualität erinnert an große Meister wie Jan van Eyck, Simon Bening oder Gerard David.




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